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Rentenversicherungspflicht für Selbständige

Rentenversicherungspflicht für Selbständige

Mit dem „Rentenreformpaket“ will die Bundesregierung alle Selbständigen zu einer ausreichenden Altersvorsorge verpflichten. Bei dem heftigen Streit um das geplante Gesetz sollte man nicht übersehen, dass bereits jetzt eine ganze Reihe von Selbständigen Pflichtbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlen müssen. Zu ihnen gehören selbständige Lehrer und Erzieher.
Erfahren Sie mehr darüber, unter welchen Voraussetzungen diese Versicherungspflicht besteht und was dies für die Betroffenen bedeutet:

Rentenversicherungspflicht von Lehrern und Erziehern

Wer sich im Rahmen einer Existenzgründung als Lehrer oder Erzieher selbständig machen will, sollte wissen, dass er verpflichtet ist, Rentenversicherungsbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung abzuführen. Diese grundsätzliche Rentenversicherungspflicht ist in § 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI vorgesehen und zwar für alle selbständigen Lehrer und Erzieher unabhängig davon, in welcher Rechtsform sie tätig sind.

Wer dies nicht bedenkt, muss u.U. mit deftigen Nachforderungen rechnen, denn die Deutsche Rentenversicherung darf Beiträge auch für die Vergangenheit fordern und zwar bis zu 4 Jahre zurück. Zwar besteht die Möglichkeit, auf Antrag die Rückstände in Raten zu tilgen. Aber auch dies sowie die nunmehr laufend zu leistenden Beiträge bringen unter Umständen die persönliche Kalkulation durcheinander oder bedrohen die Existenz.

Bestehen bei Aufnahme der selbständigen Tätigkeit Zweifel, ob Versicherungspflicht besteht oder nicht, sollten diese im Rahmen eines Statusfeststellungsverfahrens mit der Deutschen Rentenversicherung geklärt werden.

Die selbständige Tätigkeit bleibt nur in folgenden Fällen versicherungsfrei:

  • Der Unternehmer beschäftigt einen sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter oder zwei oder mehr Minijobber, deren Gehälter zusammengerechnet die Geringfügigkeitsgrenze von 400 € überschreiten.
  • Der Selbständige betreibt sein Unternehmen nur in geringfügigem Umfang. Das ist der Fall, wenn das monatliche Einkommen nicht mehr als 400 € beträgt oder wenn der Selbständige nur gelegentlich kurzfristige, nicht „berufsmäßige“ Aufträge übernimmt (bis zu 2 Monate bzw. 50 Tage pro Jahr).

Selbständiger Lehrer ist jeder, der Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten von Mensch zu Mensch vermittelt unabhängig davon, welche Ausbildung der Existenzgründer hatte. Auch der Inhalt des Unterrichts ist nicht entscheidend. Als Lehrer gelten daher nicht nur Volkshochschuldozenten, Fitness- und andere Sporttrainer, Tanz-, Fahr- oder Sprachlehrer. Auch selbständige Coaches, Trainer, Moderatoren und Supervisoren zählen dazu. Zwar gilt die individuelle Beratung grundsätzlich nicht als Lehrtätigkeit. Allerdings bedarf es bei diesen Personengruppen in der Praxis einer Abgrenzung zwischen Unterricht, Training und Beratung. Daher ist es wichtig vor Beginn von Managerseminaren, Firmenschulungen, Workshops oder Trainings das Beratungsprofil im Verhältnis zum Kunden festzulegen und ggfs. mit anwaltlicher Unterstützung vertraglich zu formulieren.

Zu den selbständigen Erziehern gehören diejenigen, deren Tätigkeitsbereich die Charakter- und Persönlichkeitsschulung bzw. Bildung von Jugendlichen oder Kindern umfasst. Hierzu zählen auch Tagesmütter.

Die Höhe der Pflichtbeiträge richtet sich normalerweise nach einem einheitlichen „Regelbeitrag“. Im Jahr 2012 beträgt dieser 514,50 (West) bzw. 439,04 (Ost). Auf Wunsch kann aber auch ein einkommensgerechter Beitrag gezahlt werden. Existenzgründer und Jungunternehmer zahlen bis zum dritten Jahr ihrer Tätigkeit einen reduzierten Betrag i:H.v. 257,25 € (West) bzw. 219,52 € (Ost).

Sollten Sie weitere Fragen hierzu haben oder eine Beratung in ihrem Fall wünschen, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf.

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